Zwei Bleiburger Kulturgrößen sind verstorben

DER WIESENMARKT OHNE HANS UND CHARLY

CHOREOGRAF JOHANN KRESNIK

Sein letzter Auftritt war in Wien. Nur wenige Tage nachdem Johann Kresnik mit seinem “Macbeth” im Volkstheater das Impulstanz-Festival eröffnet hatte, ist er am 27. Juli in Klagenfurt gestorben. Johann „Hans“ Kresnik war ein ganz Großer der Kulturstadt Bleiburg. Geboren 1939 als Bergbauernbub in St. Margarethen, war Johann Kresnik ab den 1970er-Jahren einer der bedeutendsten Vertreter des modernen Nachkriegstanzes. Er begann seine Laufbahn als Tänzer in Graz und Köln und wechselte dann in die Choreografie. Nach Bremen leitete er auch die Tanzsparten der Theater in Heidelberg, Bonn und an der Volksbühne in Berlin. Kresnik galt als Pionier des modernen Tanztheaters. Seine vielen internationalen Inszenierungen lösten oftmals Skandale aus.

Für viel Aufsehen und lautem Aufschrei sorgte Kresnik mit seinen getanzten Biografien wie jene von “Ulrike Meinhof”, und “Hannelore Kohl”.

Seine Bleiburger „Wurzeln“ leugnete Johann Kresnik nie. Waren es in seiner „künstlerischen Sturm und Drang Zeit“ hauptsächlich Besuche bei Freunden in St. Margarethen – war er ab Mitte der 90iger Jahren wieder „Stammgast“ in Bleiburg. In seinem Heimatdorf erreichtet er ein Wohnhaus und weilte ab dieser Zeit sehr oft in Bleiburg. Er mußte 70 Jahre alt werden ehe er in Bleiburg seine „Tanztheater-Premiere“ feierte. “JURA SOYFER – AUF UNS KOMMT ES AN” Unter diesem Namen wurde 2009 in Bleiburg im Rahmen der Europaausstellung ein choreographisches Theater aufgeführt, bei dem der renommierte Choreograph Hans Kresnik Regie führte. Das Libretto schrieb Christoph Klimke, die Ausstattung besorgte Reinhard Taurer. Andreas Seifert spielte als einziger professioneller Schauspieler die Hauptrolle, LaiendarstellerInnen bildeten das Ensemble. Johann Kresnik feiert damit einen großartigen Erfolg. Für ein weiteres „Kulturhighlight“ zeichnet Johann Kresnik ebenfalls verantwortlich. Seine enge Freundschaft zum wohl bekanntesten und gleichzeitig umstrittensten Künstler der Gegenwart, Gottfried Helnwein, machte es möglich, dass es im Jahre 2017 eine großartige Helnwein Ausstellung, die von über 20.000 Besuchern bestaunt wurde, im Werner Berg Museum gab.

Für 2020 war wieder eine große Kresnik Inszenierung in Bleiburg geplant. „Sein letzter Tanz“ machte dies leider nicht mehr möglich. Wir verneigen uns und sagen DANKE und „AUF WIEDERSEHEN“.

JAZZMUSIKER KARLHEINZ MIKLIN

Ein Besuch am Bleiburger Wiesenmarkt, ein Treff mit Freunden, war für den gebürtigen Bleiburger Karlheinz Miklin ein Fixpunkt. Am 15. Juni verstarb er, 72jährig, völlig überraschend in Graz.

Karlheinz Miklin wurde 1946 in Klagenfurt geboren und wuchs in Bleiburg auf. Musik war sein „Lebenselexier“. Er spielte bereits als Jugendlicher, gemeinsam mit seinem Vater VS-Dir. Karl Miklin in einem Bleiburger Orchester. Seine Studienzeit verbrachte er in Graz und war maßgeblich am „Aufstieg“ von Graz als internationale Jazz-Hauptstadt beteiligt. Von 1983 bis 2000 leitete er die Jazzabteilung der Grazer Kunstuniversität, unterrichtete auch z. B. in New York und Helsinki. Ab 1978 stand Karlheinz Miklin im Zentrum eines gleichnamigen Trios, außerdem bespielte er mit seinem Trio Argentia, das er bis zum Quintett erweiterte, weltweit Festivals. Er erhielt mehrere internationale Auszeichnungen – so wurde er etwa mit dem Großen Josef Krainer Preis, dem Großen Goldenen Ehrenzeichen des Landes Steiermark und dem Karl-Böhm-Interpretationspreis, den er 2009 als erster Jazzmusiker erhielt, ausgezeichnet. 2015 wurde er vom deutschen Journal “jazzthing” in die Liste der “European Jazz Legends” aufgenommen und porträtiert.

Nach Bleiburg kehrte Karlheinz Miklin immer gerne zurück. Über 20 Konzerte gab er in seiner Heimatstadt. Viele seiner Freunde erinnern sich noch an seinen Auftritt beim ersten Musikfest der KIB im Jahre 1983 wo er gemeinsam mit Gößen wie Harry Stojka Express, Opus oder dem Pepl Pirchner Jazz-Zwio auftrat. Im Rahmen der Europaausstellung 2009 wurde in Bleiburg das choregographische Theater „Jura Soyfer – Auf uns kommt es an“ bei dem Johann Kresnik Regie führte, aufgeführt. Karlheinz Miklin schrieb dazu die Musik, zum Teil Vertonungen von Texten Jura Soyfers. Er spielte mit vier jungen Kollegen auch live bei den Vorstellungen. Vielumjubelt auch das „Geburtstagskonzert“ zum 70iger von Karlheinz Miklin, welches er gemeinsam mit der Jauntaler Trachtenkapelle im Grenzlandheim gab. Gemeinsam mit Johann Kresnik sollte es 2020 im Rahmen der Ausstellung „Carinthija 2020“ wieder eine Gemeinschaftsproduktion mit Johann Kresnik geben. Dazu kommt es leider nunmehr leider nicht. Mit Karlheinz Miklin hat ein bedeutender Bleiburger für immer seine Augen geschlossen – er wird fehlen – nicht nur am Wiesenmarkt.

Lebe wohl und Danke „Charly“!